Sexuelle Gewalt

Die Österreichischen Autonomen Frauenberatungsstellen bei sexueller Gewalt bestehen seit rund 35 Jahren. Einerseits sind ihre Mitarbeiterinnen Expertinnen in der Beratung, Begleitung und Betreuung von Frauen und Mädchen mit sexuellen Gewalterfahrungen, andererseits begreifen die Frauenberatungsstellen bei sexueller Gewalt ihren gesellschafts- u. frauenpolitischen Auftrag im Engagement für die (sexuelle) Selbstbestimmung von Frauen und ihre Gleichstellung in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen.

Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstellen bei sexueller Gewalt waren unter den Pionierinnen im Kampf für eine Enttabuisierung sexualisierter Gewalt an Frauen und Mädchen. Die Sichtbarmachung und Benennung sexueller Gewalt, die fundamentale feministische Kritik an patriarchalen Gesellschaftsstrukturen und das Einfordern von Frauenrechten durch Öffentlichkeitsarbeit, Lobbying und (inter)nationale Vernetzungen waren und sind dabei Grundpfeiler einer gesellschaftspolitischen Frauenbewegung.

Sexuelle Gewalt tritt vielfältig, in unterschiedlichsten Formen und verschiedensten Kontexten auf. Sie reduziert sich nicht nur auf strafrechtlich definierte Tatbestände wie Vergewaltigung (in der Ehe), sexuellen Missbrauch in der Kindheit, sexuelle Nötigung und sexuelle Belästigung, sondern beginnt dort, wo Mädchen und Frauen mit der latenten Bedrohung von sexueller Gewalt, sexistischen Rollenklischees und männlich normierter Sexualisierung konfrontiert sind.

Nicht zuletzt aufgrund der gravierenden psychischen, gesundheitlichen und sozialen Folgen stellt sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen ein bedeutendes gesellschaftliches Problem dar. Psychische und psychosomatische Folgeerscheinungen haben Auswirkungen auf familiäre und soziale Beziehungsstrukturen, die Erwerbssituation, den biographischen Verlauf von Frauenleben und sie wirken sich auch, je nach Schwere der Gewalt, auf die Folgegenerationen aus. Das heißt nicht zuletzt auch, dass gesellschaftliches und individuelles Versagen im Umgang mit Betroffenen gravierende wirtschaftlich-ökonomische Schäden verursacht.

Die Frauenberatungsstellen bei sexueller Gewalt sehen in letzter Konsequenz ihre Aufgabe darin, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in dem sexuelle Gewalt kompromisslos als Menschrechtsverletzung gesehen wird und den Opfern nicht mit Schuldzuweisungen, Sensationsgier und Mitleid, sondern ihren legitimen Ansprüchen nach Bewältigung, Verarbeitung und Wiedergutmachung mit Respekt begegnet wird.